Schriftliche Befragung (Fragebogen)


Beschreibung

Die schriftliche Befragung mit Fragebogen ist die klassische Methode der quantitativen Befragung. Hierbei bezieht der Befragte anhand einer Vorlage zu ausformulierten Fragen aus einem bestimmten Themengebiet schriftlich Stellung. In der quantitativen Forschung ist die voll standardisierte, geschlossene Frage, bei der der Befragte aus einer Zahl von Antwortalternativen auswählt, die übliche Frageform (zur genaueren Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Methoden siehe dort). Die Antwort kann im Ankreuzen einer der vorgegebenen Kategorien (Multiple Choice) bestehen oder, häufiger, in der Skalierung des Grades an Zustimmung zu einer Aussage. Zusätzlich sind auch offene Fragen möglich.

Einsatzgebiet

Quantitative Verfahren allgemein eignen sich mit ihrer standardisierten Befragungsform, der Untersuchung großer Stichproben und der Anwendung statistischer Prüfverfahren gut zur Messung und Quantifizierung von Sachverhalten, zum Testen von Hypothesen und zur Überprüfung statistischer Zusammenhänge. Sie sind vor allem dann sinnvoll, wenn objektive Daten gewonnen und über die Zeit verglichen werden sollen.

Die schriftliche Befragung mit Fragebogen ist innerhalb des Produktentwicklungsprozesses überall sinnvoll, wo mögliche Beurteilungskriterien bekannt sind und ein bekannter Gegenstand auf ökonomische Weise quantifiziert werden soll, beispielsweise bei der Beurteilung eines Produkts im Rahmen eines Produkttests oder Markttests oder bei einer Kundenzufriedenheitsanalyse. Insbesondere für wiederkehrende Fragestellungen, bei denen die Ergebnisse über die Zeit hinweg verglichen werden sollen, ist die schriftliche Befragung mit Fragebogen gut geeinget.

Verbreitung

Die schriftliche Befragung mit Fragebogen ist hierbei eine sehr verbreitete Methode in der quantitativen Markt- und Meinungsforschung und die typische und klassische Methode in der Psychologie, sie wird häufig als der "Königsweg" der psychologischen Umfrageforschung bezeichnet.

Voraussetzungen

  • Schriftliche Fragebögen sind nur dann sinnvoll einzusetzen, wenn man über den Untersuchungsgegenstand bereits ein Hintergrundwissen besitzt, da nur die Quantifizierung bekannter Aspekte, nicht aber die Entdeckung neuer Problemfelder möglich ist.
  • Kenntnisse der Testkonstruktionsprinzipien
  • umfassende inhaltliche Kenntnisse des Untersuchungsgegenstands
  • Erreichbarkeit der Zielgruppe, z.B. Verfügungsmöglichkeit über einen Kundenstamm mit Adressen

Durchführung

  1. Einholen aller verfügbaren Informationen über den Untersuchungsgegenstand, gegebenenfalls auch Durchführung einer qualitativen Vorstudie
  2. Fragebogenkonstruktion
  3. Pretest des Fragebogens
  4. Versenden bzw. Verteilen der Fragebögen
  5. Nachfassaktionen während der Rücklaufzeit
  6. Dateneingabe
  7. Auswertung
  8. Interpretation der Ergebnisse und gefundenen Zusammenhänge
  9. Ergebnispräsentation/Berichterstellung

Vorteile

  • Möglichkeit, eine große Stichprobe zu untersuchen
  • vergleichsweise geringe Kosten, geringer Zeitaufwand
  • exakt quantifizierbare Ergebnisse
  • Ermittlung von statistischen Zusammenhängen möglich
  • Ausschalten von Interviewereffekten

Nachteile

  • Rücklaufquote ist oft gering, ein Fragebogen wirkt weniger motivierend
  • meist keine Kontrolle darüber, ob auch wirklich die Zielperson (und niemand anderes) den Fragebogen ausfüllt
  • keine Kontrolle, ob der Fragebogen in der vorgesehenen Reihenfolge beantwortet wird
  • Man ermittelt mit geschlossenen Fragen nicht die Ursachen für einen Befund oder eine Einstellung wie beispielsweise Unzufriedenheit (zur Verringerung dieses Problems empfiehlt sich der Einsatz offener Fragen zur Ursachenermittlung).
  • Man erhält keine Verbesserungsvorschläge (dieser Nachteil kann durch die Integration offener Fragen verringert werden).
  • Keine Flexibilität während der Untersuchung: Die Fragen sind schon vorher festgelegt, kein individuelles Eingehen auf Testpersonen möglich.

Varianten der Methode

Variationen bei der Gestaltung eines Fragebogens gibt es vor allem in der Art und Weise der Skalierung.

Innerhalb der numerischen Skalen gibt es Variationen in der Anzahl der Abstufungspunkte, beispielsweise solche mit vier, fünf oder sieben Abstufungspunkten, die jeweils mit den entsprechenden Zahlen benannt sind.

Bei den verbalen Skalen variiert die Benennung der Skalenpunkte (z.B. "stimme völlig zu", "stimme eher zu", "teils-teils", "stimme weniger zu", "stimme überhaupt nicht zu" oder "ja", "eher ja", "teils-teils", "eher nein", "nein" oder auch "immer", "oft", "manchmal", "selten", "nie").

Eine weitere Möglichkeit ist die graphische Skalierung, bei der die verschiedenen Abstufungen beispielsweise durch Größe symbolisiert werden oder der Grad der Zustimmung anhand von Smiley-Gesichtern veranschaulicht wird.

weiterführende Informationsquellen

Literatur, Veröffentlichungen etc.


© Stefanie Winter, stefanie.winter@psychologie.uni-mannheim.de
Modified: 15-Mai-2000